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WM-Gold für Judoka aus der Favela “Cidade de Deus”

Bergmann Matthias 6. Oktober 2013 Info Favela Keine Kommentare
WM-Gold für Judoka aus der Favela “Cidade de Deus”

Rafaela Silva heisst sie … das 57-kg-Leichtgewicht, dass als erste brasilianische Frau eine WM-Goldmedaille gewonnen hat. Dabei sah alles schon danach aus, dass sie ihre Karriere an den Nagel hängen würde.

Nachdem sie bei Olympia 2012 in London “nur” die Bronzemedaille gewann, eigentlich nur wegen eines verbotenen Wurfs, wurde sie im eigenen Land in den (a)sozialen Netzwerken als Äffin beschimpft, die gefälligst in ihren Käfig zurückkehren sollte.

Aus einem “Käfig” stammt Rafaela Silva tatsächlich – die “Cidade de Deus” … jahrzehntelang Käfig des Drogenhandels und der organisierten Kriminalität. Doch Rafaela ist stolz auf ihre Herkunft und vor allen auf das, was sie aus ihrer schwierigen Kindheit und Jugend gemacht hat. Mittlerweile, mit genau 21 Jahren, ist sie eine Weltmeisterin, erobert die Bühnen der Welt und zeigt des Kindern in ihrer Favela, dass es auch anders geht. 2008 gewann sie bereits Gold bei der Junioren-WM in Thailand, 2011 Silber in Paris bei den Erwachsenen, Bronze bei Olympia in London und nun Gold … und das in ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro!

Mit dem Judo begann sie im Instituto Recreação, eigens in der Favela CDD vom Ex-Judoka Flavio Canto gegründet. Sie hat sich durchgebissen, gekämpft und Erfolg gehabt. Erfolg der, wie sie sagt, leider noch zu oft vom Geld abhängt: “Viele Leute haben Talent und Kampfgeist, aber kein Geld zum investieren. Ich bin stolz aus einer Favela zu kommen und ein Vorbild für die Kinder dort zu sein. Ich habe ihnen gezeigt, dass es auch so geht, ohne an einem schönen Ort zu wohnen und viel Geld zu investieren. Ich wuchs in der CDD auf und jetzt bin ich hier auf dem Podium”

Rafaela stopft auch gleich noch das Maul ihrer Kritiker: “Es ist gut, die Leute zum Schweigen zu bringen, die mich als eine Äffin beschimpft haben, die in ihren Käfig zurückkehren soll. Sport hat nichts mit der Hautfarbe zu tun.”

Quelle Titelfoto: www.esporteessencial.com.br

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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