Friday 22nd September 2017,
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Sao Paulo – Crackolandia – bittere Realität

Bergmann Matthias 12. Januar 2016 Drugs + Crime 1 Kommentar
Sao Paulo – Crackolandia – bittere Realität

Hinter dem Namen “Crackolandia” verbirgt sich nichts anderes als ein Umschlagsplatz der Billigdroge Crack, die in den meisten Großstädten Brasiliens solche Ausmaße angenommen hat, dass sie sich offenbar nicht mehr mit einfachen polizeilichen Maßnahmen bekämpfen lassen.

Allein in Sao Paulo schätzt der Polizeipräsident, dass ein völliger Abbau des konzentrierten Crackhandels in der Region “Dino Buero” rund 2 Jahre in Anspruch nehmen würde.

Der Drogenbeauftrage Ruy Fontes Sao Paulos bezeichnet die Situation schwierig, weil das mächtige Drogenkommando PCC seine Obhut über das Drogenverkaufsgebiet hat, und damit die Bereitschaft vorhanden ist, die Gebiete mit Waffengewalt zu verteidigen und bei Verlust auf andere Regionen Sao Paulos zu verlagern.

Obwohl die Regierung Alckmin im Jahr 2015 über 23 Tonnen Rauschgift sichergestellt hat, gibt der Gegner nicht auf. “Solange es Drogenkonsum und eine Nachfrage gibt, werden wir liefern!” tönt es aus den Kreisen des Drogenkommandos.

Problematisch erweist sich die Größe der Drogenorganisation, die sich nicht mehr mit dem Personal der Sonderabteilung DENARC bekämpfen lässt, so der Drogenbeauftragte. “Zudem steckt eine ausgeklügelte Intelligenz hinter deren Organisation, die Drogengelder sofort in den Finanzmarkt und innerhalb weniger Minuten auf ausländische Konto in China und den USA fließen lässt.”

Genau wie in Rio steckt auch die Polizei Sao Paulos in einem Dilemma. Was sich in 20 – 30 Jahren in aller Ruhe aufgebaut hat, ohne dass es einen Politiker oder Polizist gekümmert hat, lässt sich nun nicht innerhalb einer Legislaturperiode von 4 Jahren beseitigen. Die Machtverhältnisse sind zu ungleichmäßig verteilt. Und das ist besorgniserregend.

Titelfoto Quelle: Folha de Sao Paulo / Zanone Fraissat

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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