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Inside Favela

Rios Milizen – die neue Art des Verbrechens

Bergmann Matthias 15. März 2012 Drugs + Crime Keine Kommentare
Rios Milizen – die neue Art des Verbrechens

Rio de Janeiro leidet unter einer neuen Seuche, die sich in den letzten 10 – 15 Jahren schleichend in den Favelas breit gemacht hat: die Milizen.

Alles begann im Jahre 1979, als sich in der Favela “Rio das Pedras” die Basis für die spätere Milizengruppe “Liga da Justiça” gebildet hat. Heutzutage werden laut WIKIPEDIA (Stand Nov. 2010) bereits 41,5% der ca. 1000 Favelas Rio de Janeiros von Milizen dominiert (55,9% befinden sich in der Hand von Drogenkommandos und nur 2,6% sind durch UPP´s befriedet).

Die Milizen Rio de Janeiros sind kriminelle Organisationen, die sich aus Ex-Militärpolizisten, Soldaten, Feuerwehrleuten und korrupten Politikern zusammensetzen. Unter dem Deckmantel der „Säuberung der Favelas“ von den illegalen Drogenkommandos haben sie sich in den Favelas eingenistet und einen eigenen Machtapparat aufgebaut, der die Favela-Bevölkerung systematisch ausbeutet und terrorisiert. Wer sich den Vorschriften der Milizen nicht fügt, erleidet Repressalien. Auch Mord ist keine Seltenheit. Ein typisches Beispiel für die kriminellen Praktiken der Milizen fand ich diese Tage im Online-Journal des “Jornal do Brasil”:

Jonas – Soldat der Militärpolizei, sein Sohn Éder – Ex-Militärpolizist und “Chiquinho” kommandierten eine vor 4 Jahren gegründete Bande, die im Großraum Duque de Caxias, Vorort von Rio de Janeiro, ihre Macht ausübte. Unter ihrem Kommando standen 13 aktive Militärpolizisten, 3 Ex-MP´s, ein Kommissar der Staatspolizei, ein Scharfschütze und ein Offizier der Armee.
Die Miliz, die sich den Namen “Família É Nós” (die Familie – das sind wir) gab, verlangte Schutzgelder von Geschäftsinhabern und organisierte den alternativen Transport mit Kleinbussen innerhalb ihres Einzugsgebiets. Auch hier wurden fette “Gebühren” von den Busbesitzern kassiert. Wer nicht zahlte, wurde bedroht.
Weitere, allesamt illegale Einnahmequellen wurden durch die Miliz erschlossen. Das Geschäft mit Gasflaschen wurde monopolisiert und kräftige Aufpreise von den Favela-Bewohnern verlangt. Geklaute Kabel-TV-Anschlüsse und Internetdienste gehörten ebenso zum exklusiven Dienstleistungsangebot der Miliz. Die dubiosen Geschäftspraktiken kannten keine Grenzen. Das eigentümerlose Land innerhalb der Favelas wurde mit gefälschten Dokumenten verkauft. “Einarmige Banditen” in Spielkasinos wurden manipuliert und sogar eigene Kreditinstitute gegründet, in denen Kredite ohne Vertrag mit mündlich vereinbarten Zinsraten vergeben wurden. Bewohner, die sich gegen die Praktiken der Miliz zu wehren versuchten, wurden aus der Favela verwiesen oder ermordet.
Gemäß den Nachforschungen der Polizei waren die Aktionen der Miliz brutal und schlossen Praktiken wie Drohungen, Erpressung, schwere Körperverletzung, Tortur, Massenmord, Verstecken und Vernichten von Kadavern ein.
Die Zentrale der Miliz befand sich in Gramacho, wo der Anführer Jonas eine Sozialstation besaß (wie ironisch). Er traf die Entscheidungen innerhalb der Miliz, erteilte die Mordaufträge und hielt die Verbindungen zu Politikern und dem Polizeistab. Éder war das ausführende Organ. Auf seine Kappe gingen Morde, Drohungen und Erpressungen. Chiquinho hatte die Kassierer-Funktion inne und trieb die Schutzgelder und Gewinne ein.

Quelle: Jornal do Brasil online

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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