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Inside Favela

Rio de Janeiro: Schiessereien in befriedeten Favelas

Bergmann Matthias 29. Mai 2014 Drugs + Crime Keine Kommentare
Rio de Janeiro: Schiessereien in befriedeten Favelas

28/05/2014: Die Nachrichten melden neue Schiessereien aus dem Complexo do Alemao, einer der größten Favelas Rio de Janeiros. Dabei handelt es sich nicht um den einen oder anderen Schuss, nein, es geht hart zur Sache. Das Drogenkommando greift Polizeiposten an. Es gibt Tote und Verletzte. Ein vermeintlicher Drogendealer (wer weiss das schon so genau?) wird mit einem Brustschuss erlegt. Ein 56-jähriger Mann stirbt ebenfalls. Hat der etwa auch mit Drogen gehandelt? Oder stand der nur im Weg? Keine Ahnung, aber Fakt ist, dass die Situation vollkommen außer Kontrolle ist.

Was vor ein paar Jahren, um genau zu sein, im November 2010, noch einer kompletten Entwaffnung der Favela aussah, scheint mal wieder nicht mehr als eine Politikerlüge zu sein. Die Drogenkommandos beherrschen nach wie vor ihre alte Gebiete, handeln noch genauso wie vorher mit Drogen und sind, wie die Fernsehbilder zeigen, bis an die Zähne bewaffnet. Angst oder gar Respekt vor der Polizei haben sie schon lange nicht mehr.

Die UPP, wie sich die Befriedungspolizei nennt, ist ein gescheitertes Projekt. Unter dem Wort “Frieden” versteht die Menschheit etwas anderes. In Rios Favelas herrscht Krieg. Die Bevölkerung lebt in Angst vor schwerbewaffneten Gangstern, die der Polizei das Fürchten lehrt.

Alle Bemühungen, Rio de Janeiro eine friedliche Fußball-WM und im Jahr 2016 Olympische Spiele zu gewährleisten, scheinen im Nichts zu verpuffen. Die Drogenkommandos leisten Widerstand. Sie haben sich gegen die Staatsgewalt aufgestellt und ausgerüstet. 30 Jahre lang hat man sie ihr Ding machen lassen. Kein Schwein (bzw. Politiker) hat sich um sie gekümmert. Die Favelas waren weiße Flecken auf der Polizeilandkarte. Nun, wo sie bei wichtigen Großevents stören, wollte man sie säubern. Nur geht das nicht so einfach von heute auf morgen. Den Kampf hat der Staat verloren. Definitiv.

Quelle Titelfoto: Thiago Cardoso/AFP

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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