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Nordosten Brasiliens – gefährlichste Region der Welt

Bergmann Matthias 9. September 2014 Drugs + Crime Keine Kommentare
Nordosten Brasiliens – gefährlichste Region der Welt

Es klingt fast wie eine Lüge. Im scheinbar tropischen Paradies, dort wo sich Brasiliens Traumstrände befinden und deren Einwohner eine Seelenruhe ausstrahlen als könnten sie keiner Fliege etwas antun, befindet sich das Zentrum von Mord und Totschlag.

Laut einer statistischen Erhebung liegen 16 der 50 gefährlichsten Städte der Welt (mit mehr als 300.00 Ew.) in Brasilien. 9 dieser Städte liegen in der Region Nordosten, davon 8 Bundeshauptstädte. Als am gefährlichsten wurde die Städte Maceio mit 80 Morden auf 100.000 Einwohner und Fortaleza mit 73 Morden auf 100.000 Einwohner genannt. Der Mittelwert des Nordostens Brasiliens liegt bei 55 Morden und ist damit doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt in ganz Brasilien.

Als Hauptgrund wird der Drogenhandel genannt, auf dessen Konto ca. 60% aller Morde gehen. Selbstjustiz, Rache und Eifersucht zählen ebenfalls zu den Ursachen der hohen Kriminalität.

Aus meiner Sicht ist die fehlende Bildung, die damit verbundene Armut und Aussichtslosigkeit auf eine gesichterte Zukunft der Hauptfaktor für das Abrutschen in die Kriminalität und das Morden aus banalen Gründen. Hinzu kommen korrupte Strukturen innerhalb der Polizei und ein extrem träger Justizapparat. Zunehmende Kriminalität unter Minderjährigen und deren Straffreiheit führen dazu, dass diese Gruppe immer mehr in die Fänge von Drogenbanden gerät und für ihre Zwecke ausgenutzt wird. Auftragsmorde durch Minderjährige sind in Brasilien keine Seltenheit.

Die Bildung des eigenen Volkes ist Auftrag der Regierung. Genau die versäumt es seit Jahrzehnten in ein qualitativ hochwertiges staatliches Bildungssystem zu investieren. Hinzu kommen fehlenden Investitionen in Infrastruktur und Industrie, sodass der Nordosten zurecht das Armenhaus Brasiliens genannt wird.

Trauriges Brasilien!

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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