Saturday 18th November 2017,
Inside Favela

Mestre Marcone hinterhältig ermordet

Bergmann Matthias 24. Mai 2012 Drugs + Crime Keine Kommentare
Mestre Marcone hinterhältig ermordet

Am Sonntag dem 13. Mai wurde Marcone Sacramento, ehemaliger Meister der wohl bis dahin besten Trommelgruppe Rios, im Alter von 32 Jahren in Ramos ermordet.

Es war Muttertag. Am frühen Abend verließ er das Haus seiner Mutter, und wurde nach ein paar Metern Fahrt in seinem Auto von 2 Fahrzeugen eingekeilt, zum Stehen gebracht und mit 20 Einschüssen in Kopf, Hals und Arme getötet.

Bestellter Mord. Alles sieht danach aus. Die Täter sind spurlos entkommen, die Auftraggeber natürlich unbekannt. Es gibt ein paar Indizien. Marcone wurde im November vorigen Jahres nach einem Streit mit dem Vorsitzenden Luis Pacheco Drummond der Sambaschule “Imperatriz Leopoldinense” gefeuert. Kurz nach seinem Ausscheiden aus der Sambaschule wurde Marcones Cousin auf die gleiche Weise ermordet. Doch das war noch nicht alles: Am 16. Dezember 2011 entging er einem Mordanschlag direkt vor seiner Haustür nur knapp. Drei Menschen starben dabei. Marcone kam damals mit dem Schrecken davon. Diesmal gingen die Täter auf Nummer sicher. Marcone hatte keine Chance.

Nun ist er tot. Keiner weiß, wofür er sterben musste. Es sieht nach Begleichung einer persönlichen Rechnung aus. Aber müssen gleich Menschen dafür sterben? Ich könnte kotzen. Ich trauere um eines meiner Idole. Und ich ärgere mich für Rio de Janeiro.

Mestre Marcone führte die Trommelgruppe meiner Lieblingssambaschule an. Ich kannte ihn persönlich von vielen Auftritten, war selber oft beim Training der Trommelgruppe dabei und bin beim Karneval 2011 mit der Imperatriz defiliert.

Marcone war nicht nur streng zu seinen Trommlern, sondern auch zu sich selbst. Er wollte der Beste sein und hat es geschafft, beim Karneval 2010 die Höchstnote für seine Trommelgruppe von den strengen Juroren zu bekommen. Anerkennung und Erfolg scheinen sich mit Neid und Missgunst zu paaren. Doch wieder frage ich: Muss man deswegen morden?

Der “Complexo do Alemão” gilt seit November 2010 als befriedet. Doch vom Frieden ist die Favela noch weit entfernt.

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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