Saturday 18th November 2017,
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Kinderhorizonte e.V. baut erstes Schwimmbad in der Favela “Santa Lúcia”

Bergmann Matthias 22. Februar 2013 Info Favela Keine Kommentare
Kinderhorizonte e.V. baut erstes Schwimmbad in der Favela “Santa Lúcia”

Es war immer ihr Traum … ein Schwimmbad! Aparecida Bernado, kurz Cida, Leiterin des Kinderhilfsprojekts “Grupo dos Amigos da Crianca” in einer der größten Favelas der 2,5 Mio-Stadt Belo Horizonte, wünschte sich für ihre Tagesstätten, in den 200 Kinder zwischen 1 und 14 Jahren betreut werden, ein Schwimmbad. Eigentlich nichts besonderes, dachte ich, und gab ihren Wunsch an die Leitung des in Deutschland ansässigen Verein Kinderhorizonte e.V. weiter, der mit seinen Spenden das Hilfsprojekt in Belo Horizonte unterstützt.

Die ersten langen Gesichter gab es, als Cida einen Kostenvoranschlag präsentierte. Ca. 10.000 R$ (rund 4.000 Euro) sollte der Bau des Schwimmbads kosten. Die Begründung für den aus meiner Sicht viel zu hohen Preis kam prompt: Die Anlieferung der Materialien ist zu kompliziert. Der LKW kommt nicht in die engen Gassen der Favela hinein. So muss jeder Zementsack und jede Kiste mit Fliesen per Schubkarre und auf den Schultern bis zur Tagesstätte transportiert werden. Wahrlich ein Teufelsritt, dachte ich. Aber das war noch nicht alles. Das zweite Problem war einen Maurer, der Über Wochen, vielleicht sogar Monate in der Favela arbeiten wollte. Die Favela “Santa Lucia” war nicht irgendeine Favela. Sie hatte den Ruf, einen der gefährlichsten Favelas in Belo Horizonte zu sein. Drogendealer bestimmten die Regeln und den Alltag der Favela-Bewohner. Wer wollte dort schon arbeiten? Cida fand 2 Maurer. Nach 4 Wochen verliessen sie die Baustelle halbfertig und wurden nie wieder gesehen. Cida machte sich erneut auf Suche und fand diesmal einen Maurer, der in der Favela wohnte und die Verhältnisse kannte. Diesmal hatte sie Glück. Das Schwimmbad wurde fertiggestellt und nach 5 Monaten Arbeit eingeweiht.

Doch die Story wr noch nicht zu Ende. Die Einwohner der Favela, vor allen die Jugendlichen, bekamen Wind vom neuen Schwimmbad – dem einzigen in der Favela – und nutzten die Abendstunden, um über die Mauer der Tagesstätte zu klettern und im neuen Schwimmbad zu baden. Was sie hinterliessen, war Dreck und Verwüstung. Cida war ratlos. Hinzu kam, dass neidische Nachbarn Scherben, Beutel mit Urin und Kot ins Wasser warfen. Das Schwimmbad wurde gesperrt. Unter diesen Bedingungen war das gerade erst eingeweihte Schwimmbad alles andere als eine Freude für Cida und ihre 200 Kinder.

Wieder wurde Kinderhorizonte um Hilfe gerufen. Radikalere Ideen musste her. Eine Stacheldrahtrolle wurde auf der Mauer verlegt und das gesamte Schwimmbad wurde mit einem Netz überspannt, um das Werfen von Gegenständen und den Fäkalienbeuteln zu erschweren. Die Massnahmen zeigten Wirkung. Die Nachbarschaft hat sich mittlerweile ebenfalls an das Schwimmbad gewöhnt und unterlässt die böswilligen Attacken.

Vielleicht kann man unter diesen Umständen ja auch mal einen “Tag der offenen Tür” für die Einwohner der Favela einrichten …

Link zu Kinderhorizonte e.v.: www.kinderhorizonte.de

Fotos vom Bau und Einweihung des Schwimmbads:

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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