Saturday 18th November 2017,
Inside Favela

In Rios Favelas wird scharf geschossen!

Bergmann Matthias 4. Juni 2013 Drugs + Crime Keine Kommentare
In Rios Favelas wird scharf geschossen!

Ja, das klingt zugegebenermassen nach einer Boulevard-Presse-Meldung. Es ist eine Warnung … und zwar eine sehr ernst gemeinte!

Wer nach Rio reist, sollte nicht unbedingt den auch von deutschen Zeitschriften verbreiteten Meldungen von befriedeten Favelas Glauben schenken. Es stimmt zwar, dass ca. 30 Favelas von der Regierung befriedet worden sind, aber das stellt nur einen Bruchteil aller Favelas der 5-Mio-Metropole Rio de Janeiro dar. Wenn man den Zahlen glaubt, soll es an die 1000 Favelas in Rio geben. 30 Favelas wären dann plötzlich nur noch 0,3%. Richtig?

Lassen wir mal die Mathematik beiseite. Schlimmer ist, was derzeit in diesen angeblich befriedeteten 0,3% abgeht. Dass dort weiter – also auch NACH DER BEFRIEDUNG – Drogen gehandelt werden, weiss so ziemlich jeder Schuljunge in Rio. Was lange Zeit ungewiss war, ist die Tatsache, ob die staatliche Eingreiftruppe es wirklich geschafft hat, die Drogendealer zu entwaffnen und damit eine Art Grundfrieden in den Favelas zu schaffen. Seit ein paar Wochen lautet die Antwort wieder “NEIN”. Beweise gibt es genug. Angefangen hat alles in der Riesenfavela “Complexo do Alemão”, wo es nach der Festnahme eines mittelschweren Drogendealers zu Schiessereien kam. Seitdem kehrte keine Ruhe mehr ein. Es gab wieder Tote und Verletzte. Noch schlimmer: Die Drogenkommandos scheinen wieder das Kommando in der Favela zu übernehmen. Auf ihren Befehl hin schlossen sämtliche Geschäfte der Favela, Schulen und Krankenstationen. Alles wie in alten Zeiten. Die Angst geht um und fand ihren bisherigen Höhepunkt in der Schiesserei kurz vor Beginn des sogenannten “Friedenslaufes”, der jährlich auf der Fluchtstrecke der Drogendealer vom November 2010 stattfindet. Just im Moment als man die Befriedung feiern will, geben die Drogendealer ein Zeichen: WIR SIND WIEDER ZURÜCK!

Auch Europa soll dieser Tage davon erfahren. Auch wenn es nur als ein “Einzelfall” bezeichnet wird, so ist der Bauchschuss auf einen deutschen Touristen in der Favela Rocinha ein weiteres Zeichen. Natürlich hat er sich falsch verhalten, indem er bewaffnete Drogendealer fotografieren wollte. Was wie ein Vorwurf klingt, ist nicht mehr als eine Variante wie man in Rios Strassen – und vor allem Favelas – sterben kann. Auch wer sich unscheinbar und “legitim” verhält, kann Opfer sein. Also noch einmal: VORSICHT!

Die bewaffneten Drogengangs sind immer noch und immer wieder aktiv! Rio ist gefährlich. Und das wird auch bei der Fussball-WM un der Olympiade 2016 so bleiben …

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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