Saturday 18th November 2017,
Inside Favela

Favela Dilma Rousseff

Bergmann Matthias 21. September 2014 Info Favela Keine Kommentare
Favela Dilma Rousseff

Hä … was? Die Präsidentin in einer Favela? Nein, nein liebe Leser. So etwas wollen wir doch unserer Präsidentin nicht zumuten! Die diktiert von ihrem Präsidentensessel in Brasilia, was die Medien über ihr Land schreiben sollen.

Dumm für sie, dass es noch Parallelmedien gibt, die nicht so recht auf sie hören wollen. Die Zeitschrift VEJA gehört Gott sei Dank dazu. Kürzlich veröffentlichte sie einen Bericht über einen Besuch einer Favela in Teresina, Hauptstadt des Bundesstaats Piaui, die ihren Namen trägt. Genau Favela “Dilma Rousseff”.

18 Kilometer von Stadtzentrum entfernt, sind die dort ca. 1000 lebenden Familien weitestgehend vom öffentlichen Leben der Großstadt abgeschnitten. Doch nicht nur das. Auch die Anschlüsse an das öffentliche Wasser- und Stromnetz fehlen. Die Gülle fliesst irgendwohin ins Nirwana und ein anständiges Bad oder Toilette sind Fehlanzeige. Aber man besitzt eine Kreditkarte namens “Bolsa Familia” mit der man monatlich ein paar Kilo Reis, Bohnen, Zucker, Öl und natürlich auch Zuckerrohrschnaps kaufen kann. Genug zum Leben meinen die in aus Holzresten zusammengeschusterten Hütten lebenden Einwohner. Und auch Grund genug, um bei der anstehenden Wahl für Dilma zu stimmen. Schliesslich will man ja seine Lebensgrundlage nicht verlieren, sei sie auch noch so beschissen.

Vielleicht sollte man die Favela umbenennen. “Dilemma Rousseff” würde eventuell besser passen.

Fotoquelle: abril.veja.com.br

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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