Saturday 18th November 2017,
Inside Favela

Die Befriedungspolizei Rios wird in Frage gestellt

Bergmann Matthias 11. November 2013 Drugs + Crime Keine Kommentare
Die Befriedungspolizei Rios wird in Frage gestellt

Nun ist es leider soweit … die UPP´s – die in den Favelas Rio de Janeiros stationierten Befriedungspolizeieinheiten werden mittlerweile öffentlich in Frage gestellt. Rios Ministerpräsident hat nach dem Fall “Amarildo”, dem spurlos verschwundenen Maurer aus der Favela Rocinha, die Schaffung weiterer Befriedungseinheiten auf Eis gelegt.

Die sich seit Monaten hinziehende Suche nach dem spurlos verschwundenen Maurer, der in einem der Polizei-Container der UPP Rocinha einer “Routine-Kontrolle” unterzogen wurde, endet nun in immer mehr Entlassungen und Anklagen gegen involvierte Polizisten.

Das Problem sind nicht die 20 oder 30 beteiligten Polizisten, die den Maurer höchstwahrscheinlich ermordet und irgendwo verscharrt haben. Das Problem sitzt tiefer. Es heisst Korruption. Mal wieder Korruption. Die Polizeieinheiten Rio de Janeiros genossen vor der Befriedung von Rios Favelas seit jeher den Ruf, in sämtliche kriminelle Aktiväten auf den den Favelahügeln involviert zu sein. Dies sollte mit dem Beginn der UPP´s nun alles anders sein. Auch bei mir kamen da leichte Zweifel über solche mutigen Aussagen auf. In meinen früheren Berichten über die Errichtung von UPP´s kann man das sicherlich problemlos herauslesen. Nun ja. Die ehemalige Baustellenputzfrau Rosa hat wohl wieder mal Recht behalten mit ihrem Spruch: “Einmal Verbrecher, immer Verbrecher!”. Leider gilt er nicht nur für Drogendealer, sondern anscheinend auch für Polizisten. Aus welchen Grund auch sollte eine Kehrtwendung in ihren Gehirnwindungen stattfinden? Die Polizisten-Gehälter sind nach wie vor beschissen. Und eine Favela von Drogendealern freizuhalten, ist sicher auch nicht der ungefährlichste Job. Da geht man doch lieber einen Deal ein, lässt die alten Beziehungen spielen und schiebt in Ruhe Wache.

Die rethorische Frage “Ist Rio noch vor der Kriminalität zu retten” muss einmal mehr mit “NEIN” beantwortet werden. Schade eigentlich. Die Chance war da, aber die Eigennützigkeit hat wieder einmal gewonnen. Armes Rio!

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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