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Die Armut in Brasilien nimmt wieder zu

Bergmann Matthias 2. Dezember 2016 Allgemein, Lemi - Kolumne Keine Kommentare
Die Armut in Brasilien nimmt wieder zu

Die linksradikale Lula-Partei hat nach 13 Jahren Regierung ein Chaos hinterlassen. Das weiß in Brasilien mittlerweile so gut wie jedes kleine Kind. Auch wenn die Zahlen manchmal eine andere Sprache gesprochen haben. Leute, die wie ich in Ostdeutschland aufgewachsen sind, vertrauen keinen Zahlen mehr, die von einer kommunistischen Regierung unter das Volk gebracht werden. Genau wie damals unter Honecker fühlte ich mich auch unter Lula und Dilma ständig an der Nase herumgeführt (auf gut Deutsch: verarscht).

Irgendwann 2014 verkündete Dilma, dass die Armut in Brasilien abgeschafft worden sei. Schon damals habe ich die Nachricht mit einem unübersehbaren Ironie-Faktor hier reingestellt.

Nun lese ich gerade auf GLOBO, dass die Armut im Jahr 2015 wieder gestiegen sei. Und zwar von 8% auf 9,2% der Bevölkerung. Als Messlatte gilt, dass eine Familie nicht mehr als 1/4 des Mindestlohns verdienen darf. Und damit liegt sie sehr, sehr tief. Der Mindestlohn liegt im Jahr 2016 bei 204 Euro, d.h. die Familie darf nicht mehr als 51 Euro im Monat verdienen! Und das bei Lebenshaltungskosten, die den deutschen in Nichts nachstehen.

Nein, das sind keine armen Leute. Das sind wahre Überlebenskünstler!

Forscht man noch etwas in den Statistiken weiter, was ich ja gerne tue, findet man z.B. solche Zahlen: 27% der Familien müssen mit einem halben “Salario minimo” auskommen. Über ein Viertel der Bevölkerung (über)lebt also mit 100 Euro im Monat.

Da fragt man sich, wieso es überhaupt einen Mindestlohn gibt, wenn ihn so viele Leute nicht einmal annähernd bekommen. Ist denn der Mindestlohn nicht das Mindeste, was man verdienen soll. Oder vielleicht das Mindeste, was einem Menschen zum Überleben zugemutet werden kann.

Und wie wieviel Menschen bekommen den Mindestlohn überhaupt?

Gemäß den Daten des IBGE (Bundesamt für Statistik) sind es ca. 50% der Bevölkerung, die einen Mindestlohn oder mehr verdienen. Dass heißt, die Hälfte der Bevölkerung bekommt weniger und lebt damit in absoluter Armut.

Daraus könnte dann wieder ein Schuh werden, Frau (Gott sei Dank, Ex-) Präsidentin Dilma.

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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