Saturday 25th February 2017,
Inside Favela

Alles wieder beim Alten in Rio de Janeiro …

Bergmann Matthias 30. November 2016 Allgemein, Info Favela Keine Kommentare
Alles wieder beim Alten in Rio de Janeiro …

Es musste so kommen. Die Sicherheitsvorkehrungen in den Favelas, die den leicht einprägsamen Namen UPP trugen, wurden wieder abgeschafft. Nicht offiziell und auch nicht auf dem Papier. Aber sie funktionieren nicht mehr.

Ab dem Jahr 2009 wurden sie nach und nach in ausgewählten Favelas installiert, um der Welt während der Fußball-WM und Olympia Sicherheit vorzugaukeln. Ein Schutzschild gegen die Gewalt, ein Gürtel zur Abschirmung der Sportstätten gegen Drogendealer, Räuber und Verbrecher.

Angeblich ein Projekt für die Zukunft. Soziale Inklusion der Ärmsten Brasiliens. Sicherheit für alle.

Wenn man die derzeitigen Nachrichten aus Rios Favelas liest und versucht zu interpretieren, kommt man schnell zu dem Schluss, dass die UPP-Einheiten faktisch nicht mehr existieren. Es wird wieder gemordet und gedealt wie früher. Polizisten werden durch Drogendealer vertrieben. Sogar Polizeihubschrauber werden wieder abgeschossen. Alles genau wie früher.

Ich hatte es gewagt, den Favela-Bewohnern genau diese schwarze Zukunft in meinem Buch “Zur Hölle und zurück” vorherzusagen, allerdings gehofft, dass ich damit falsch liegen würde. Mein inneres Gefühl sagte mir: “Vertraue keinem brasilianischen Politiker! Und schon gar keinem aus Rio …”

Am Ende war es wieder nur Verarschung. Die alten Machtverhältnisse in den Favelas sind wieder hergestellt. Die Drogenkommandos haben geduldig ausgeharrt. Auch sie wussten wohl, dass der Atem der Politiker nicht lang genug sein würde, um das zu bekämpfen, was sich über 3 Jahrzehnte wie ein Krebsgeschwür in Rios Favelas gebildet hatte. Eine gesetzlose Maschine der Gewalt.

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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