Wednesday 23rd August 2017,
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2012: Neue Kriminalitätsrekorde in Brasilien

Bergmann Matthias 12. November 2013 Drugs + Crime Keine Kommentare
2012: Neue Kriminalitätsrekorde in Brasilien

Statistiken haben den Ruf, dass man in ihnen so ziemlich alles passend zurechtschneidern kann, dass es dem Geschmack des (un)kritischen Lesern entspricht. Trotzdem darf man ihnen immer noch mehr vertrauen als dem Wort einen x-beliebigen brasilianischen Politikers – und sei es die Präsidentin selbst. Ihrer Wahlpropaganda zufolge leben alle 200 Millionen Brasilianer fernab von Armut und Misere in einem wirtschaftlich aufblühenden Land. PT-Politiker setzen sich aktiv für das Wohl des Volkes ein und Steuergelder werden sinnvoll in Infrastrukturprojekte, Bildung und das Gesundheitswesen investiert. Soweit zur Theorie …

Von nationaler Sicherheit zu sprechen, scheint ein wenig gewagt zu sein. Wer sich die folgenden Zahlen auf der Zunge zergehen lässt, wird mir sicherlich recht geben, dass sich Brasilien in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand befindet. Und nicht nur das! Auch tendenziell verschlimmert sich die Situation von Jahr zu Jahr. Hier die Beweise:

Jahr 2012: 50.108 Morde (7,6% mehr als 2011)

Jahr 2012: 122.921 Drogendelikte (19% mehr als 2011)

Jahr 2012: 50.617 Vergewaltigungen (18,2% mehr als 2011)

Auf die Bevölkerung Brasiliens hochgerechnet, sind das 25,8 Morde/100.000 Einwohner. In Deutschland gab es im gleichen Zeitraum 281 Morde (nein, das ist kein Schreibfehler). Die Mordrate liegt bei 0,35 Morden/100.000 Einwohnern.

Liest man sich ein wenig ins Thema ein, erfährt man auch die Gründe für die hohe Kriminalität. In Brasilien wird an erster Stelle eine ineffiziente und korrupte Polizei genannt. Im Ausland beschuldigt man hingegen das grosse soziale Gefälle im Land, welches Beschaffungskrimininalität und Drogenhandel in den armen Regionen fördert. Hinzu kommt die grosse Anzahl von Jugendlichen, die in Favelas leben und keinerlei Ausbildungs- und Berufschancen haben. Anstatt der von Präsidentin Dilma gefeierten Wirtschaft blüht der Drogenhandel und mit ihm die Kriminalität. Weiterführende Statistiken zeigen, dass die hohe Anzahl der Morde zu 80% auf Drogenkonflikte zurückzuführen ist und dass 4 von 5 Morden in Favelas passieren. Dort wo Armut herrscht, genau die, die laut Präsidentin Dilma per Dekret abgeschafft wurde. Seit 10 Jahren verteilt die linksradikale PT-Regierung nun millionenfach Kreditkarten an die Armen und seitdem hat sich nicht allzu viel geändert. Sicherlich steht der ein oder andere Fernseher oder Kühlschrank mehr in der Wohnung, doch die Kriminalität ist die gleiche wie vorher. Worüber keiner spricht, ist, dass die Kreditkarte die Steuerzahler enorm belastet (die Steuerbelastung in Brasilien gehört weltweit zu den höchsten) und dass die “Beschenkten” für immer und ewig vom Arbeitsmarkt verschwunden sind. Worauf der wirtschaftliche Aufschwung basiert, bleibt fraglich. Aber wie eingangs schon erwähnt … Statistiken lassen sich immer so zurechtbasteln, dass sie am Ende schön aussehen.

Quelle Morde
Quelle Vergewaltigungen

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About The Author

Matthias Bergmann ist Eisenhütteningenieur und lebt seit 1994 in Brasilien. Neben seiner Tätigkeit in der brasilianischen Eisenerzindustrie unterstützt er ehrenamtlich ein von ihm initiiertes Kinderhilfsprojekt in einer der größten Favelas der Millionenstadt Belo Horizonte.

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